{"id":1612,"date":"2014-10-18T07:01:42","date_gmt":"2014-10-18T07:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/theartic-emden.de\/?p=1612"},"modified":"2014-10-18T07:06:03","modified_gmt":"2014-10-18T07:06:03","slug":"oz-schraege-voegel-und-sture-beamten-im-scheinwerferlicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/theartic-emden.de\/?p=1612","title":{"rendered":"OZ: Schr\u00e4ge V\u00f6gel und sture Beamten im Scheinwerferlicht"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1615\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a class=\"lightbox\" href=\"http:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/EW_Theartic_10undjetzj_2013-03170_web.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1615\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1615 \" title=\"Uhrenvergleich im \u201eAmt f\u00fcr Personen mit besonderen Auff\u00e4lligkeiten\u201c | Foto: ernstweerts.de\" alt=\"\" src=\"http:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/EW_Theartic_10undjetzj_2013-03170_web-1024x682.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/EW_Theartic_10undjetzj_2013-03170_web-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/EW_Theartic_10undjetzj_2013-03170_web-480x320.jpg 480w, http:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/EW_Theartic_10undjetzj_2013-03170_web.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1615\" class=\"wp-caption-text\">Uhrenvergleich im \u201eAmt f\u00fcr Personen mit besonderen Auff\u00e4lligkeiten\u201c | Foto: ernstweerts.de<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Von OZ-Mitarbeiter Gregor Buiting<\/em><\/p>\n<p><b>Emden <\/b> &#8211; \u201eNormale Menschen machen mir Angst.\u201c Diese Aussage steht gelegentlich auf T-Shirts und Aufklebern. Wer am Donnerstagabend die \u00fcberarbeitete Wiederaufnahme des Theaterst\u00fccks \u201ezehn, und jetzt\u201c durch das Emder Ensemble \u201eTheartic\u201c im Neuen Theater gesehen hat, der ahnt, was damit gemeint ist. Und er versteht, was Vincent van Gogh meinte, als er die Normalit\u00e4t mit einer gepflasterten Stra\u00dfe verglich, auf der man zwar gut gehen k\u00f6nne, auf der jedoch keine Blumen wachsen.<\/p>\n<p>\u201eTheartic\u201c zeigte 400 Zuschauern das Leben, seine Vielfalt, seine Freuden, aber auch seine Ungereimtheiten und Absurdit\u00e4ten. Die Protagonisten des St\u00fccks \u201ezehn, und jetzt\u201c leben ihre Vorlieben und W\u00fcnsche ohne umst\u00e4ndliches Hinterfragen aus. Das macht sie trotz Unzul\u00e4nglichkeiten gl\u00fccklich und zufrieden. Schnell gibt der Zuschauer seine anf\u00e4ngliche Distanz zu den schr\u00e4gen V\u00f6geln im Scheinwerferlicht auf und beginnt sie zu m\u00f6gen: den Mittf\u00fcnfziger, der aller Welt bei jeder Gelegenheit mitteilt, wie gl\u00fccklich er ist, die junge Frau, die an Jan und Jedermann Briefe schreibt, ohne eine Antwort zu erwarten, den J\u00fcngling, der aus dem Bett minuti\u00f6s seine eigene Karriere plant.<!--more--><\/p>\n<p>Diese freundlichen Figuren mit ihren liebenswerten Macken denken ausschlie\u00dflich positiv und machen das Caf\u00e9, in dem sie sich treffen, zu einem einzigartigen Wohlf\u00fchlort. Doch bald wird diese heile Welt unvermittelt gest\u00f6rt. Vier Mitarbeiter vom \u201eAmt f\u00fcr Personen mit besonderen Auff\u00e4lligkeiten\u201c weisen die Ahnungslosen darauf hin, dass sie nicht normal sind und fordern sie auf, ihr Leben binnen einer gesetzten Frist so zu \u00e4ndern, dass es der gesellschaftlichen Norm entspricht. Jetzt ist guter Rat teuer.<\/p>\n<p>Die Regisseurin und Autorin des St\u00fccks Ulrike Heymann \u2013 zugleich Vorsitzende der Werkstatt der K\u00fcnste f\u00fcr sogenannte Behinderte und sogenannte Nichtbehinderte \u2013 versteht es, die Perversion der Normalit\u00e4t auf geschickte Weise in Szene zu setzen. Hierzu bedient sie sich des schauspielerischen Mittels der Polarit\u00e4t des Simultantheaters. Sie l\u00e4sst beide Gruppen gleichzeitig auf der B\u00fchne auftreten und erreicht so, dass die Aufmerksamkeit des Publikums hin und her wandert. Dem zweigeteilten B\u00fchnenbild kommt eine besondere Rolle zu. Eindrucksvoll stellt es unter Einsatz der Beleuchtung die Intimit\u00e4t der privaten, warmen Welt und die phantasielose, kalte Amtswelt gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Mehr und mehr schleichen sich bei den Mitarbeitern des Amtes Zweifel ein, nachdem Graumann, einer von ihnen, wegen seiner Bedenken durchzudrehen droht. Sie beginnen mit den vermeintlich Verr\u00fcckten zu kooperieren. Aus \u201eSch\u00e4rfer vorgehen! Druck erh\u00f6hen! Drastische Ma\u00dfnahmen!\u201c wird schlie\u00dflich die gemeinsame Erkenntnis: \u201eDie Instanz ist verr\u00fcckt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Kranken, das sind die Gesunden. Und die Gesunden, das sind in Wirklichkeit die Kranken.\u201c Diese provozierende These des Philosophen und Psychoanalytikers Erich Fromm untermauerte die bunte Truppe unterschiedlichster Darsteller am Donnerstagabend in Emden auf eindrucksvolle Weise. Mit Leichtigkeit und erfrischender Komik weisen uns alle Beteiligten unter der fachkundigen und einf\u00fchlsamen Regie von Ulrike Heymann darauf hin, dass der genormte Mensch ein Albtraum humanistischen Denkens ist und ermahnen uns, ein wenig mehr Mut zum Verr\u00fccktsein an den Tag zu legen.<\/p>\n<p>\u25ba OZ-Artikel vom 18.10.2014 zum Download (PDF): <a href=\"http:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/OZ18102014_Theartic_zehnundjetzt2014.pdf\" target=\"_blank\">Hier klicken!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von OZ-Mitarbeiter Gregor Buiting Emden &#8211; \u201eNormale Menschen machen mir Angst.\u201c Diese Aussage steht gelegentlich auf T-Shirts und Aufklebern. 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