{"id":3198,"date":"2019-03-04T20:19:07","date_gmt":"2019-03-04T20:19:07","guid":{"rendered":"http:\/\/theartic-emden.de\/?p=3198"},"modified":"2019-03-04T20:19:07","modified_gmt":"2019-03-04T20:19:07","slug":"lauter-wackelkontakte-im-zeichen-der-liebe-ez-04-03-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theartic-emden.de\/?p=3198","title":{"rendered":"Lauter Wackelkontakte im Zeichen der Liebe (EZ, 04.03.2019)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3199\" src=\"http:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/EZ-04.M\u00e4rz.2019-828x800.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"618\" srcset=\"https:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/EZ-04.M\u00e4rz.2019-828x800.jpg 828w, https:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/EZ-04.M\u00e4rz.2019-480x464.jpg 480w, https:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/EZ-04.M\u00e4rz.2019-768x742.jpg 768w, https:\/\/theartic-emden.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/EZ-04.M\u00e4rz.2019.jpg 1113w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>zum Nachlesen:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div align=\"left\">\n<div class=\"Text\">\n<p align=\"justify\">Von Karl-Heinz Janssen<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"Text\">\n<p align=\"justify\"><b>Emden.&nbsp;<\/b>Beziehungen sind wie Kabel. Man muss sie behutsam behandeln, sonst gehen sie kaputt. Und \u00fcber \u201eWackelkontakte\u201d darf man sich nicht wundern, die sind ganz normal und unvermeidlich.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das neue St\u00fcck der Emder Theartic-Gruppe um die Autorin und Regisseurin Ulrike Heymann beginnt absichtlich zerfleddert. Nach einer Lesung mit diversen Zitaten von Shakespeare \u00fcber Kafka bis John Lennon pl\u00e4tschert eine lose Abfolge kurzer Szenen zun\u00e4chst nur so dahin; wir springen hin und her zwischen Sendeanstalt, Privatwohnungen, Arztpraxis, Stadtpark und Fahrgastschiff. Die elegante Kulissenschieberei zwischendurch &#8211; das ganze Regie-Team macht da mit &#8211; ist wie eine Demonstration der ehrenamtlichen Theaterarbeit an sich, sehr passend.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Herausforderung f\u00fcr die etwa 250 Zuschauer ist gro\u00df. Was soll das alles? fragt man sich recht lange. Noch gerade rechtzeitig tauchen erste Querverbindungen auf, beginnt sich aus dem losen Patchwork der einzelnen Szene ein sinnvolles Beziehungsgeflecht zu entwickeln. Eine kleine Welt entsteht.<\/p>\n<p align=\"justify\">Verbindungslinien leuchten auf, individuelle Schicksalsschl\u00e4ge erweisen sich als gemeinsame Herausforderungen, isolierte Figuren agieren bald als Teile von Familien und Heimat. Die Zuschauer fangen nun an, sich ihre dr\u00e4ngendsten Fragen selbst zu beantworten: Aha, der einsame Alex ist also der Sohn des Intendanten. Und die Psychotherapeutin scheint tablettens\u00fcchtig zu sein, sie hat Joachim, den Dealer, damals zur Adoption freigegeben. Und der Kapit\u00e4n, der Syrer, der ist jetzt ihr Freund; der hat sich ja anfangs mit dem Intendanten gestritten, oder?<\/p>\n<p align=\"justify\">Verbundenheit, ohne es zu ahnen<\/p>\n<p align=\"justify\">Die ungew\u00f6hnliche, unkonventionelle Erz\u00e4hlform zwingt die Zuschauer mitzudenken, sich der Figuren und ihrer Schicksale anzunehmen, sich nicht nur berieseln zu lassen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Schrittweise bekommen alle Figuren ihre mehr oder weniger festen Pl\u00e4tze. Schlie\u00dflich sind alle, das wird sehr deutlich, durch ihre Beziehungen mit den anderen verbunden, auch ohne es zu ahnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Sp\u00e4testens als bei den Proben zu einer TV-Show auch noch die Saal-Zuschauer mitwirken k\u00f6nnen, zeigt sich: Alle und alles wirkt st\u00e4ndig aufeinander ein, nur merkt man das normalerweise als einzelner Mensch nicht. Es sei denn, man sitzt im Theater, mitten in einem St\u00fcck. Sehr durchdacht hat Ulrike Heymann ihre Figuren untereinander \u201everkabelt\u201d, die Dialoge sind durchweg verst\u00e4ndlich und sehr anregend.<\/p>\n<p align=\"justify\">Alle gehandicapten Darsteller sind optimal in die Handlung eingebettet. Auch kleinste Nebenrollen bekommen durch die Auftritte der Behinderten den unverwechselbaren, authentischen Charme des Einzigartigen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Herausragend sind die Auftritte von Aiko Boomgaarden und Klaus Baalmann. Beide verf\u00fcgen \u00fcber ein sehr starkes Ausdruckstalent. Baalmanns Showmaster wird zur wunderbar absurden Figur, ganz tiefe Gef\u00fchle transportieren Annika Wienbeuker und Anke Pfeffer-Lagner. Aiko Boomgaarden geht v\u00f6llig in der Rolle des Alexander auf, im Netzwerk der Beziehungen ist er der Solist, dessen S\u00e4tze uns mit sanfter Gewalt ermahnen (\u201eEs gibt auch Leute, die leiden!\u201d) oder erheitern (\u201eH\u00f6ren sie auf mit Frauen!\u201d). Stilvoll und nie billig wirken die B\u00fchnenbilder. Parkbank mit Laterne und Steuerrad und Theke sehen so aus wie bei den Profis.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Dialoge verleihen diesem St\u00fcck besondere Qualit\u00e4ten. Blitzschnell offenbart sich das jeweilige Innenleben der Figuren, die Sorgen und \u00c4ngste, Schuldgef\u00fchle, Sehns\u00fcchte und Bed\u00fcrfnisse ganz normaler Menschen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und nat\u00fcrlich erklingt in Rick&#8217;s Bar dann doch noch das ewige Casablanca-Lied, live gespielt von Arne Bohnet, der wie der Souffleur (Malik Meyer) ebenfalls noch zum Teil der Handlung wird. Am Ende ein sch\u00f6nes, klassisches Happy End in einer Produktion, mit der der Theartic-Verein wieder mal seine \u00fcberragende integrative und k\u00fcnstlerische Leistungsf\u00e4higkeit unter Beweis gestellt hat. Wir erlebten ein wohldurchdachtes, sehr detailgenau umgesetztes, unterhaltsames St\u00fcck Laien-Theater. Zwei dutzend Mitwirkende spielten an drei Abenden mit viel Sinn f\u00fcr Humor und Beziehungskummer.<\/p>\n<p align=\"justify\">Auch dieses Theartic-St\u00fcck hat das Zeug, \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus bekannt zu werden. F\u00fcr manch eine andere Truppe dieser Art k\u00e4me ein solches St\u00fcck wahrscheinlich wie gerufen, nicht zuletzt wegen der professionellen Textvorlage.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"attachments\">Emder Zeitung vom Montag, 4. M\u00e4rz 2019, Seite 6 (5 Views)<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zum Nachlesen:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/theartic-emden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3198"}],"collection":[{"href":"https:\/\/theartic-emden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/theartic-emden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/theartic-emden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/theartic-emden.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3198"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/theartic-emden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3198\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3200,"href":"https:\/\/theartic-emden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3198\/revisions\/3200"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/theartic-emden.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3198"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/theartic-emden.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3198"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/theartic-emden.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3198"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}