Die Welt soll wieder schöner werden (April 2026, Festspielhaus am Wall, Fotos: N. Neumeyer und EZ Kritik vom 25.04.2026)

 

 

Zum Nachlesen:

Plädoyer für ein buntes Miteinander

BÜHNE – Theartic feiert mit „Die Welt soll wieder schöner werden!“ gelungene Premiere im Festspielhaus

Werner Jürgens

EMDEN. (wj) Diesen Wunsch würden sicherlich viele sofort unterschreiben: „Die Welt soll wieder schöner werden!“. So lautet der Titel der aktuellen Inszenierung des Emder Theartic-Ensembles. Am Donnerstagabend war Premiere im Festspielhaus am Wall.

Flucht aufs Dach

Die Handlung spielt auf dem Dach eines Hochhauses. Dort treffen sich mehrere Bewohnerinnen und Bewohner, die ein bisschen Abkühlung von der Sommerhitze suchen. Trotz unterschiedlicher Lebenserfahrungen haben sie eines gemeinsam, nämlich die Sehnsucht nach einer besseren und schöneren Welt. Die Zahl der Anwesenden steigert sich nach anfänglich drei auf schließlich sechzehn Personen.

In ihrer Zusammensetzung spiegelt die Gruppe einen bunten Querschnitt unserer Gesellschaft wider. Die Bandbreite reicht von einem verträumten Jugendlichen und einer frustrierten Hausmeisterin über einen stocksteifen Beamten und eine queere Investigativjournalistin bis hin zu einem Neo-Nazi und einer 98-jährigen Frau, die sich bisweilen an „dunkle Zeiten“ erinnert fühlt. Schon bald entbrennen heiße Diskussionen. Wie konkret die Welt zum Besseren verändert werden soll, darüber hat nämlich jeder eine andere Meinung. Und vor allem weiß niemand so recht, wie mit dem Nazi umzugehen ist.

Obwohl die meiste Zeit jede Menge Betrieb auf der Bühne herrschte, bewies das Theartic-Ensemble bei der Premiere über die komplette Dauer des Stückes ein exzellentes Timing. Das galt nicht nur für die Dialoge zwischen den Darstellern, sondern ebenso für die aufwendige Technik.

Erstmals arbeiten Regisseurin Ulrike Heymann und ihr Team mit einer großen Videoleinwand, auf der im Hintergrund unterstützend zu den Szenen Fotos, Filmausschnitte und Texte gezeigt werden – kombiniert mit Musik, die David Heymann extra für diese Inszenierung komponiert hat. Diese Leistung ist umso bemerkenswerter, da der Truppe lediglich ein paar Tage für die Generalproben im Festspielhaus am Wall zur Verfügung standen.

Herzblut und Ovationen

Auf jeden Fall war am Donnerstag stets spürbar, dass wirklich alle Beteiligten ihre Rollen und Aufgaben mit einer gehörigen Portion Herzblut spielten und erfüllten. Nicht von ungefähr wurde das Ensemble nach dem letzten Vorhang vom restlos begeisterten Publikums mit stehenden Ovationen ordentlich abgefeiert.

Obwohl es inhaltlich um ernste Themen wie Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung von Minderheiten und dergleichen ging, durfte zwischendurch auch immer wieder herzlich gelacht werden, ohne sich dabei allerdings zu sehr über den Nationalsozialismus lustig zu machen.

Eine der Rückblenden am Donnerstag erinnerte daran, wie Hitler, Goebbels & Co. von manchen ihrer Gegner gerne grotesk überzeichnet wurden. Viele konnten und wollten sich nicht vorstellen, dass solche vermeintlichen „Witzfiguren“ tatsächlich einmal Regierungsverantwortung übernehmen würden. Die Geschichte hat uns bekanntlich eines Besseren belehrt. Heute sollten wir es eigentlich besser wissen, selbst wenn manche Wahlergebnisse eher Gegenteiliges aussagen.

Deshalb – und das ist die starke und wichtige Botschaft von „Die Welt soll wieder schöner werden“ – müssen wir, wenn wir uns ein demokratisches, buntes und tolerantes Miteinander bewahren möchten, bereit sein, dafür einzustehen. Entsprechende Vorschläge und Anregungen dazu liefert das Stück ebenfalls. Die persönliche Entscheidung aber, was davon wie umgesetzt wird, die liegt letztlich bei jeder und jedem Einzelnen.

Eine letzte Gelegenheit, das Stück zu sehen, gibt es am Samstag, 25. April. Beginn ist um 19.30 Uhr im Festspielhaus am Wall.

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.