EZ 30.08.2013: Theartic hat einiges vor im Apollo

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Emden. In den Köpfen der Beteiligten ist das ehemalige Apollo-Kino schon voller Leben. Nach dem Verein Apollunion mit Johannes „Urmel” Meyering an der Spitze hat sich nun auch Theartic zu Wort gemeldet. Die Theaterwerkstatt/Werkstatt der Künste für Behinderte und Nichtbehinderte erhofft sich vom Apollo-Betrieb „kreative künstlerische Impulse”, sagte Geschäftsführerin Beate Kegler gestern in einem Pressegespräch.

Theartic, 2002 gegründet, ist Mitglied der Planungsgruppe Apollo. Gemeinsam mit Apollunion, dem Kulturbüro der Stadt, der Volkshochschule sowie einem Architektenbüro arbeiten Beate Kegler, die Vorstandsvorsitzende Ulrike Heymann und weitere Mitstreiter mit an den Plänen zur baulichen Gestaltung, an der Entwicklung eines inhaltlichen Konzepts und den Überlegungen zur Finanzierung eines künftigen soziokulturellen Zentrums. Dass gerade auch über Letzteres geredet werden muss, sei vollkommen klar, sagte Beate Kegler. Sie verwies auf die Möglichkeit, Fördergelder einzuwerben – auch während des laufenden Betriebs. Sie ist überzeugt: „Es werden sich Geldgeber finden.”

Ulrike Heymann erinnerte in diesem Zusammenhang an die Entstehungsgeschichte der Kunsthalle. „Da haben auch viele gesagt: ,So etwas brauchen wir nicht.‘ Heute sind das wohl nur noch wenige.” Schließlich müsse ein umgebautes Apollo „nicht gleich ein Luxusbau werden”. Das Signal der Architekten, dass alle Wünsche der Beteiligten erfüllbar sind, ist für Heymann Grund genug, optimistisch nach vorn zu schauen: „Es ist wunderbar, dass das Haus solch ein Potenzial bietet.”

Schon früh, im Jahr 2011, hat Theartic sein Interesse an einer gemeinsamen Nutzung des Apollo angemeldet. Feste Probenräume, geschweige denn Aufführungsorte, hat die Theaterwerkstatt nicht. Die Mitglieder pendeln zwischen Musikschule, Wallschule, Malschule und Alter Post. „Manchmal, zu Einzelproben, proben wir auch bei mir zu Hause zusammen”, skizziert Heymann das Raumproblem.

Die immer wieder aufgestellte Behauptung, es gäbe genügend Veranstaltungsräume in Emden, sei ein Irrtum. „Für Kinder- und Jugendtheater gibt es keinen einzigen geeigneten Raum.” Das treffe auch auf die Alte Post oder den Kulturbunker in Barenburg zu. Auftritte im Neuen Theater seien gerade für behinderte Künstler schwierig. Während das Publikum halbwegs barrierefrei das Neue Theater nutzen könne, sei das für Künstler im gesamten Bühnen- und Backstage-Bereich nicht so.

300 Plätze soll das Apollo einmal vorhalten. Für Theartic wäre das „ideal”, betonte Heymann. Darüber hinaus könnte die Gruppe mit einem festen Probenort auch zu einem ganz anderen Spielbetrieb kommen und obendrein Theartic ganz anders bewerben. „Ein Festival-Theater für Behinderte und Nichtbehinderte”, lautet die Vision von Heymann und Kegler. „Emden als Ort gelebter Inklusion”, verwies Beate Kegler auf ein gesellschaftspolitisch gerade hochaktuelles Thema .

Sie sieht aber im Apollo auch den „Nährboden für wesentlich mehr”, nämlich die Bündelung des bürgerschaftlichen Engagements in einem Zentrum mitten in der Stadt. „Da wären dann viele Herzbluttäter in einem Haus. Es ist doch verwunderlich, dass es so etwas in Emden noch nicht gibt.”

In den kommenden Wochen und Monaten soll in der Arbeitsgruppe weiter an Inhalten gearbeitet werden, und man will sich dort auch mit finanziellen Fragen auseinandersetzen. Kegler: „Wir denken in alle Richtungen. Wie in allen Kreativprozessen wird es dabei keine Schranken geben. Wenn nachher dabei herauskommt, dass es nicht finanzierbar ist und dass wir es nicht mit Leben füllen können, dann geht es eben nicht.” Das müsse man „ganz pragmatisch” sehen, ergänzte Ulrike Heymann.

Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe verraten die beiden Theartic-Frauen nicht. Es sei Stillschweigen vereinbart worden. Doch die Begeisterung ist schon heute, da viele Fragen noch ungeklärt sind, groß. Beate Kegler: „Wir dürfen uns eigentlich gar nicht in das Projekt verlieben, denn nachher wird daraus vielleicht nichts – aber das fällt so schwer.”

(Quelle: Emder Zeitung | 30.08.2013 | Redakteur: Axel Milkert)

Ebenfalls in der Emder Zeitung vom 30.08.2013 erschien folgender Kommentar von EZ-Redakteur Alf Hitschke:

Vorsicht ist geboten
Das „Apollo” beflügelt die Phantasie. Freundliche Menschen legen gutgemeinte und wohlklingende Konzepte für die künftige Nutzung des Altbaus vor – der Begriff „soziokulturell” ist die Klammer, die die Ideen bündelt. Ja, es wäre schon schön, wenn es so käme. Wenn … Denn in allen Überlegungen werden bislang die Aspekte Bedarf und Kosten allenfalls am Rande erwähnt.

Wie groß ist das Interesse der Emder an einer Nutzung des Apollo, wie sie von „Apollunion” und „Theartic” vorschlagen wird – sprich: Wird es genügend zahlende Gäste geben? Und wie viel wird es kosten, die Ideen zu verwirklichen?

Klar ist nichts, dennoch darf Folgendes vermutet werden: Ohne dicke Bündel Scheine aus dem Tresor der Stadt wird auf Dauer gar nichts laufen. Vorsicht ist geboten – denn Emden hat noch einige wirklich wichtige Vorhaben zu verwirklichen.

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► EZ-Kommentar vom 30.08.2013 zum Download (PDF): Hier klicken!

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