EZ 16.08.2014: Theartic hat Lust auf ein Europa- Festival

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Von EZ-Redakteurin GABY WOLF

Emden. Theartic, die Emder Theaterwerkstatt für Behinderte und Nichtbehinderte, will ein weiteres Mal europäisches Parkett betreten „Wir haben ein neues, dreijähriges Europa-Projekt beantragt”, bestätigte die Vorstandvorsitzende und künstlerische Leiterin, Ulrike Heymann im Gespräch mit der Emder Zeitung. Damit verbunden wäre neben einer Gastspielreise ein großes fünftägiges Abschlussfestival im Mai 2017 in Emden mit Theater, Tanz, Performance, Musik, bildender Kunst und vielen internationalen Teilnehmern. Ein Bescheid aus Brüssel steht aber noch aus.

„Wir haben uns gleich mit zwei Varianten beworben”, sagte Heymann. „Mit bereits bekannten und neuen Partnern aus Nordirland, Belgien, Tschechien, Kroatien, Polen und Portugal oder zusätzlich mit Partnern aus Spanien, Irland, Frankreich und der Türkei.” Mit anderen Worten: Es könnte entweder ein großes Projekt werden oder ein sehr großes.

„Es wäre ein Knaller, wenn das klappen würde”, kommentierte Heymann, die vorsichtshalber schon mal das Neue Theater oder die Nordseehalle als möglichen Veranstaltungsort angefragt hat. „Wir selbst würden uns bei dem Festival dann natürlich mit allen etablierten und neuen Ensembles präsentieren.”

Stomp mit TheartiChor

Zu den neuen gehört die Anfang des Jahres gegründete Stomp-Gruppe, die gleich von Beginn an auf eine unerwartet große Teilnehmer-Resonanz gestoßen ist (wir berichteten). Das von Heymann und Arne Bohnet angeleitete Projekt in der Musischen Akademie in der Brückstraße ist nach den Sommerferien wieder offen für neue Interessierte. Derzeit hat die Gruppe, die mit Eimern, Tonnen, Besen und sonstigen Gebrauchsgegenständen rhythmisch zu Werke geht, 17 feste „Stomper”. „Wir würden nächstes Jahr gerne ein gemeinsames Konzert mit unserem TheartiChor geben”, signalisierte Heymann.

Auf Dauer zusammengeführt werden sollen dagegen das Erwachsenen-Ensemble Theartic und die seit Dezember bestehende offene Theaterwerkstatt. „In der Werkstatt haben wir derzeit ausschließlich Menschen mit geistiger Behinderung, aber wir wollen ja die Durchmischung”, erläuterte die künstlerische Leiterin. Außerdem wolle der Verein neben Theartic und der Nachwuchsgruppe Theartic junior nicht noch ein drittes Theaterensemble betreiben.

Theartic_Europa2Das hat auch damit zu tun, dass die Aktivitäten und Angebote nicht um jeden Preis ausgeweitet werden sollen. „Qualitätssicherung vor Wachstum” heißt die neu definierte Devise. Weitere neue Projekte sollen nur in Angriff genommen werden, wenn sie für alle Beteiligten „sinnvoll, gut und leistbar” sind – eine Erkenntnis aus den Arbeitstagungen mit den Beratern der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur. Diese Tagungen waren Teil der Strukturförderung durch das Land Niedersachsen.

„Dieser Blick von außen auf unsere Entwicklung war toll”, bilanzierte Heymann. Vorstandskollege Bohnet pflichtete ihr bei: „Das hat uns geholfen, einzuordnen, was realistisch ist und was die Superhelden-Pläne gewesen wären.”

Das bedeutet aber auch, dass sich Theartic von einigen Dingen und Ideen wieder trennen muss. So auch von dem Anspruch, möglichst jedes Jahr ein brandneues Stück zu schreiben, einzuüben und auf die Bühne zu bringen.

Stattdessen sollen die Stücke künftig über einen längeren Zeitraum aufgeführt werden. Und so gibt es in diesem Jahr schon mal zwei Wiederaufführungen des Jubiläumsstücks „zehn. und jetzt” (16. und 18. Oktober im Neuen Theater). Ein neues Stück soll erst wieder 2016 Premiere feiern. Mit dem Schreiben hat Ulrike Heymann allerdings schon begonnen. Ein Jahr früher, 2015, wird Theartic junior mit dem neuen Stück „Das Was-auch-immer” im Kulturbunker dran sein.

Keine Geschäftsstelle

Verabschieden wird sich der Verein Theartic auch von seiner Anfang des Jahres versuchshalber eingerichteten Geschäftsstelle inklusive des FSJ-Platzes (Freiwilliges soziales Jahr). Die sowieso nur übergangsweise zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten im ehemaligen Schwesternheim der katholischen Kirche (Hof van Holland) hat der Verein zum Jahresende gekündigt – was auch mit der dann auslaufenden Strukturförderung des Landes zusammenhängt. „Aber wir haben außerdem gemerkt, dass eine solche Anlaufstelle für uns keinen Sinn hat, weil all unsere Teilnehmer berufstätig sind und dann meist direkt zum Proben kommen”, nannte Heymann einen weiteren Grund.

Geschäftsführerin Beate Kegler soll dennoch weiterbeschäftigt werden, um sich um das Thema Verwaltung und Finanzen zu kümmern und dabei mitzuhelfen, nach einem zentralen und festen Probenort für alle Theartic-Emsembles zu suchen. Heymann: „Einen Schreibtisch-Arbeitsplatz werden wir für sie wohl finden.”

► Stomp-Proben finden nach den Ferien wieder donnerstags ab 18 Uhr in der Musischen Akademie (Raum 26) in der Brückstraße statt. Kontakt: Tel. 3 23 10, ulrike.heymann@ theartic-emden.de oder arne.bohnet@gmx.de.

► EZ-Artikel vom 16.08.2014 zum Download (PDF): Hier klicken!

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