Theartic will trotz der Kriese weitermachen (EZ, 29.04.2020)

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Theartic will trotz der Krise weitermachen

Über den Verein Die inklusiv-integrative Theaterwerkstatt plant jetzt den etwas anderen Wiedereinstieg in die Proben

Bei der Theaterwerkstatt Theartic macht die Isolation durch Corona vor allem den behinderten Ensemble-Mitgliedern zu schaffen.

EMDEN. Noch steht überhaupt nicht fest, wann und wo überhaupt wieder künstlerisches Leben auf der Bühne möglich sein wird. In Deutschland nicht. In Emden nicht. Und doch weiß Theartic-Mitbegründerin und Vereinsvorsitzende Ulrike Heymann eines ganz sicher: Die Theaterwerkstatt wird auch nach der Corona-Zeit weiter existieren. Mehr noch: Im Theaterbereich will der Verein, zu dessen Ensembles auch ein Chor und die Stomp-Rhythmusgruppe gehören, möglichst schon bald wieder starten.

„Wir sind dabei, Konzepte zu erarbeiten – dabei gehen wir von der Minimaldefinition von Theater aus“, sagte Heymann, die – trotz Erreichen des Rentenalters – weiterhin als künstlerische Leiterin, Stückeschreiberin und Regisseurin an Bord ist. „Theater braucht eine Person, die spielt und eine Person, die zuguckt – wir planen daher zunächst Einzelproben im Freien“, erläuterte die bald 66-Jährige.

Später könnten Proben in Kleinstgruppen folgen – mit zwei Metern Abstand und unter Einhaltung aller Hygienevorschriften. „Ein besonderes Konzept brauchen wir für Menschen mit Vorerkrankungen, von denen wir naturgemäß viele haben“, ergänzte sie, „und für Menschen, die die neuen Regeln wegen ihrer Behinderung nicht oder nur schwer einhalten können.“ Für die besonders Gefährdeten denke sie daher auch über Schutzvisiere nach.

Viel Umstand. Aber die Aussicht darauf, dass es irgendwann weitergehen soll, sei gerade für Teilnehmer mit Behinderungen wichtiger denn je. So erfährt es Heymann immer wieder aus den Mails und Briefen, die sie seit Beginn der Corona-Krise mit den Mitspielern und deren Angehörigen austauscht: „Einige schreiben über sehr persönliche Ängste, Sorgen und Nöte, und einigen geht es gar nicht gut, weil sie mit der Isolation nicht klarkommen.“

Die Bedeutung, die Theartic schon in normalen Zeiten für die Teilnehmer hatte, trete jetzt noch viel deutlicher hervor. „Für viele sind die Theartic-Proben ein fester Anker in der Woche gewesen, da haben sie eine tolle Gemeinschaft erlebt und das Gefühl, dass auch sie wichtig sind“, beschreibt es Heymann. Und darum werde es beim Proben-Einstieg auch erstmal nicht so sehr um die Qualität der nächsten Aufführung gehen, sondern um den persönlichen Kontakt an sich.

Parallel will Heymann aber an den neuen Stücken weiterschreiben. Eine Arbeit, die sie auch unterbrechen musste, weil die Rollen bei Theartic den Spielern auf den Leib geschrieben werden – schwierig, wenn man sich nicht sieht. Das Stück für die Nachwuchs-Ensembles Theartic junior/kunterbunt – „Ohne mein Handy???“ – ist immerhin bereits zu einem Drittel fertig. Doch die ursprünglich für September geplanten Aufführungen werden wohl verschoben.

Finanziell muss sich der Verein laut Heymann aber keine Sorgen machen. „Für das Jahr 2020 hatten wir mit Rücklagen besonders gut vorgesorgt.“ Das war allerdings einem Projekt geschuldet, das am Ende scheiterte: die Suche nach einem hauptamtlichen Geschäftsführer auf zunächst halber Stelle (wir berichteten).

Weil aber nun eine ehrenamtliche Mitarbeiterin auf Minijob-Basis stärker eingebunden ist, kann Heymann im Bereich Geschäftsführung/Finanzen dennoch wie geplant kürzertreten. Und, so versicherte sie: „Den Teil des Sonderzuschusses der Stadt Emden, den wir in der Such-Phase benötigten, haben wir wieder zurücküberwiesen.“

Theartic ist ein Verein, in dem sich Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Behinderungen gemeinsam mit Nichtbehinderten jeglicher Herkunft gleichberechtigt künstlerisch betätigen.

Gegründet 2002, startete der Verein 2003 mit einer Theaterwerkstatt für Erwachsene, 2004 kam mit Theartic junior ein Angebot für Kinder und Jugendliche hinzu. Seit 2005 gibt es den TheartiChor. 2014 wurde ThearticStomp gegründet. Seit 2015 besteht mit Theartic kunterbunt eine zweite Theatergruppe für Kinder.

In den Ensembles sind gut 90 Teilnehmer aktiv. Der Verein selbst hat darüber hinaus rund 160 Mitglieder.

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