Emder Kulturverein Theartic trotzt der Pandemie (OZ, 31.01.2022)

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Heiko Müller

Emden – Auch nach zwei Corona-Krisenjahren sieht sich der Emder Kulturverein „Theartic“ für Menschen mit und ohne Behinderung in einer soliden Position. Trotz aller Beschränkungen sei die Teilnehmerzahl in den Theater- und Musikensembles nur leicht gesunken, sagt die künstlerische Leiterin und Vorsitzende Ulrike Heymann. Eine Kündigungswelle sei ausgeblieben, vielmehr habe es einige Neuanmeldungen gegeben. Auch die Finanzlage des Vereins sei stabil, teilte die Vereins-chefin mit.

Die Theatergruppe Theartic, der Theartic-Chor und die Percussion-Gruppe Theartic Stomp – alles Ensembles für Erwachsene – haben laut Heymann trotz der Pandemie – so weit das ging – weitergearbeitet. Öffentliche Aufführungen und Veranstaltungen seien für diese Sparten aber nicht möglich gewesen.

Nachwuchs-Ensemble hatte Auftritt

Anders war es beim Jugendtheater-Ensemble Theartic junior. Diese Truppe brachte im November ihr neues Stück „Ohne mein Handy???“ auf die Bühne der Nordseehalle – unmittelbar bevor die Infektionszahlen wieder drastisch in die Höhe gingen. Ein Kreis von 80 geladenen Gästen sah die interne Aufführung.

„Das Stück, die Inszenierung, die Musik und die
17 Spielerinnen und Spieler begeisterten das Publikum gleichermaßen“, so Heymann. Es habe lang anhaltenden Applaus und stehende Ovationen gegeben. Das sei Ansporn, die Produktion so bald wie möglich auch öffentlich zu präsentieren.

Theaterarbeit „alles andere als leicht“

Der Erfolg sei aber keineswegs vorauszusehen gewesen. „Denn in Pandemie-Zeiten Theater zu machen, ist alles andere als leicht“, sagt die künstlerische Leiterin. Corona habe die Arbeit an der Inszenierung im März 2020 „jäh ausgebremst“. Wenn danach überhaupt geprobt werden konnte, dann nur unter schwierigen Bedingungen: „Zeitweise draußen, nach ausgeklügeltem Probenplan in Kleingruppen, immer mit Abstand und ohne Berührungen und natürlich mit Masken.“

Mit dem gewohnten Probenbetrieb habe all das wenig zu tun. Öffentliche Aufführungen seien zwar mehrmals terminiert gewesen, hätten aber mehrmals wieder abgesagt werden müssen. Das habe jedes Mal aufs Neue Enttäuschungen bei den Akteuren hervorgerufen.

Verein dachte nicht ans Aufgeben

Ans Aufgeben habe man dennoch nie gedacht. Heymann: „Kindern und Jugendlichen auch in der Corona-Zeit ein Angebot in Präsenz zu machen, war uns wichtig und entsprach umgekehrt dem Wunsch der meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern und Eltern“. Die Hoffnungen ruhten jetzt darauf, das Stück möglichst bald öffentlich und auch in Schulen aufführen zu können. Unabhängig davon sei Theartic junior wieder offen für neue Interessenten im Alter von 8 bis 17 Jahren.

Auch die Erwachsenen-Gruppen haben in den beiden Corona-Krisenjahren geprobt. In Lockdown-Zeiten habe man über Briefe, E-Mails und Telefonate den Kontakt zu allen Teilnehmern gehalten. Für den Chor „TheartiChor“ habe es ein Angebot über Video-Plattformen gegeben.

„Sehr traurig“ sei die Situation für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in Wohnheimen von Einrichtungen für Menschen mit Teilhabebeschränkungen leben. Je nach Träger und Wohnheim sei ihnen die Teilnahme an Freizeitangeboten bei steigenden Infektionszahlen nicht erlaubt. „Wir hoffen sehr, dass hier bald Lösungen gefunden werden“, so Heymann.

Mehrere Ensemblemitglieder mit psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen verzichteten aus Angst vor einer Ansteckung auch von sich aus auf die Teilnahme. Andere kämen zeitweise nicht mehr, weil Corona den Alltag vieler Familien kompliziert und anstrengend mache.

Finanzlage desVereins ist stabil

Finanziell ist Theartic bislang gut durch die Krise gekommen. Laut der Vorsitzenden hat der Verein auch 2020 und 2021 jeweils schwarze Zahlen geschrieben: „Weil wir seit unserer Gründung 2002 immer vorausschauend und sparsam wirtschaften und insbesondere im Theaterbereich fast vollständig ehrenamtlich gearbeitet wird, hat uns die Pandemie nicht so schwer getroffen wie viele andere Kultureinrichtungen.“

Zudem seien in beiden Jahren die Kosten für öffentliche Aufführungen entfallen. Dadurch habe sich der Finanzbedarf „deutlich verringert“. Deshalb werde der Verein wie 2021 auch für das laufende Jahre nur die Hälfte des städtischen Zuschusses beantragen. Normalerweise liegt er bei 20.000 Euro pro Jahr.

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