Von EZ-Redakteurin Gaby Wolf
Emden. In Raum 26 der Musischen Akademie in der Brückstraße scheppert es gewaltig. Und nicht nur das. Es klackert und klopft, stampft, dröhnt und wummert. Und dazwischen wird fröhlich gelacht. Es ist der erste offene Schnupperabend für das Stomp-Projekt von Ulrike Heymann und Arne Bohnet.
Inspiriert durch das berühmte gleichnamige Bühnenensemble wollen die Musik- und Theaterpädagogin und der Musiker und Komponist Rhythmus-Begeisterte dazu anstiften, auf Tonnen und Fässern, mit Besen und Eimern und sonstigen Gebrauchsgegenständen Musik zu machen. Das auch noch mit viel Bewegung (schließlich heißt Stomp übersetzt stampfen) und eingepackt in kleine Geschichten.
An diesem Abend haben sich gleich 17 Stomp-Novizen eingefunden, vom Teenager an aufwärts bis zur Generation 60plus. „Mit so vielen haben wir überhaupt nicht gerechnet”, gesteht Ulrike Heymann ziemlich baff, als sich alle zur Kennenlernrunde formiert haben. Wie sich herausstellt, hat sich annähernd die Hälfte vom jüngsten Zeitungsaufruf angesprochen gefühlt. So wie Silvia Lammers (45) und ihre Tochter Enna Brüggemann (15), die auf „diese ganze Kombination” aus Trommeln, Tanz und Theater neugierig sind.
Gemeinsamer Rhythmus
Die übrige Hälfte hat sich über andere Projekte der früheren Musikschule und von Theartic „zusammentrommeln” lassen. Und genau wie bei der letztgenannten Theaterwerkstatt sind auch beim Stomp-Projekt Menschen mit und ohne Behinderung dabei. Aber eigentlich spielt das gar keine Rolle. Denn den Rhythmus müssen alle gemeinsam finden.
Und das ohne langes Fackeln, denn das erste Instrument haben alle Teilnehmer ja gleich dabei: ihre Hände. „Wir fangen einfach mal an zu klatschen und sehen, ob wir uns auf einen einheitlichen Beat einigen können, ohne dass es irgendwie kleckert”, gibt Ulrike Heymann vor. Nach vielversprechendem Beginn wird der Schwierigkeitsgrad gesteigert. „Das klingt gut”, lobt Bohnet.
Kurz darauf sind schon vier „Stimmen” eingeteilt. Die Holzgruppe (Besenstiele), die Blechgruppe (Kehrbleche und Ofenrohr), die Kanister-Klopfer und die Tonnen-Trommler. In gemäßigter Lautstärke wird zuerst ein Eins-Zwei-Cha-Cha-Cha ausprobiert, dann bekommt jede Gruppe ihren eigenen Leitrhythmus, und nach ein paar Runden Üben klingt das Ergebnis schon ziemlich nach Orchester. Die beiden Anleiter sind begeistert. „Eigentlich könnten wir schon mal die Nordseehalle mieten”, scherzt Ulrike Heymann.
Aber so weit sind die Teilnehmer natürlich noch nicht. Neben Rhythmusgefühl und Taktfestigkeit kommt es nämlich auch auf die richtige Körperspannung an. „Das sieht nicht nur besser aus, sondern es klingt auch besser und ist rhythmisch genauer”, erklärt die Pädagogin. Weitere Übungen folgen: im Stehen, mit Bewegung, mit gedimmtem Licht zum leisen Trommeln und mit voller Lux-Zahl zum beherzten Rocken à la „Man in the Box” von der Grunge-Metal-Band Alice in Chains.
Zum Ausklang kommt noch ein Schwung bunter Plastikbecher ins Spiel – und das Szenario einer tafelnden Gesellschaft, die ihre Becher so lange im Stampf- und Klopf-Takt weiterreicht, bis alle Gefäße sauber am Kopfende aufgestapelt sind. Eine erste Übung für die künftige Einbettung der Choreographien in schauspielerische Szenen.
„Der Januar ist zum Ausprobieren”, informiert Ulrike Heymann zum Abschluss. In dieser Zeit können auch noch neue Interessierte hinzukommen. Silvia Lammers und Tochter Enna haben sich bereits entschieden: „Wir kommen wieder.”
► Geprobt wird ab sofort jeden Donnerstag von 18 bis 19.30 Uhr in der Musischen Akademie (Musikschule), Brückstraße 92, Raum 26. Wer ab Februar fest mitmachen will, zahlt zehn Euro im Monat. Wer schon bei der Musischen Akademie oder Theartic aktiv ist, zahlt ab Februar fünf Euro.
► Wer vorher Kontakt aufnehmen will, kann das bei Ulrike Heymann (Tel.: 3 23 10; E-Mail: ulrike.heymann@theartic-emden.de) oder bei Arne Bohnet (Tel.: 0151/ 25 08 58 42; E-Mail: arne.bohnet@gmx.de).
► EZ-Artikel vom 11.01.2014 zum Download (PDF): Hier klicken!