EZ 17.01.2014: Langfristig werden die Räume zu klein

Foto: EW Fotografie | www.facebook.com/ewfotografieVon EZ-Redakteurin Gaby Wolf

Emden. Grenzen überschritten, aber auch an Grenzen gestoßen – so lassen sich aus Sicht von Theartic die vergangenen zwei Jahre zusammenfassen. Auf der einen Seite hat die Emder Theaterwerkstatt für Behinderte und Nichtbehinderte im Rahmen des Europa-Projekts „Guide us into arts” international auf sich aufmerksam gemacht. Auf der anderen Seite werden der stetig gewachsenen Truppe langfristig die Räume zu eng – auch finanziell. Das machten die Vorstandsvorsitzende Ulrike Heymann und Geschäftsführerin Beate Kegler gestern im Pressegespräch deutlich.

Für sich betrachtet war die Zeit seit Herbst 2011 für Theartic aber zunächst einmal „äußerst intensiv und erfolgreich”, wie Ulrike Heymann betonte. Dass das Emder Ensemble neben acht Hauptstädten für das Europa-Projekt ausgewählt wurde, sei an sich schon großartig gewesen. Bei dem internationalen Erfahrungsaustausch habe es für die Emder und ihre künstlerische Arbeit mit behinderten und nichtbehinderten Menschen darüber hinaus viel Lob gegeben. „Und unser Gastspiel in Prag hat uns gezeigt: Wir können auch das!”, freute sich die Theater- und Musikpädagogin.Foto: EW Fotografie | www.facebook.com/ewfotografie

Weiterhin international

Inzwischen ist das Projekt abgeschlossen. Die Kontakte sind geblieben. „Wir loten nun Möglichkeiten für die Beteiligung an einem neuen Europa-Projekt aus”, sagte Heymann.

Foto: EW Fotografie | www.facebook.com/ewfotografieAuch die „Jubiläumsspielzeit” zum zehnjährigen Bestehen sei ein Erfolg gewesen – unter anderem mit fünf ausverkauften Aufführungen der Jugendgruppe „Theartic junior”, drei „sehr erfolgreichen” Aufführungen des Erwachsenen-Ensembles, viel beachteten Auftritten des „TheartiChors” (erstmals auch beim Weihnachtskonzert der Emder Chöre) und einem finanziell so erfolgreichen Abschluss, dass erstmals eine Party mit DJ, Tanz und Büfett für alle Ensembles, Mitarbeiter, Helfer und Ehrenamtliche stattfinden konnte. Heymann: „Es war laut, lecker und lebhaft.”

Und Theartic wächst weiter. Aktuell wird, wie berichtet, ein Stomp-Ensemble aufgebaut. Neu ist auch die offene Theaterwerkstatt für Erwachsene. Damit die bewährte Mischung stimmt, werden noch Mitspieler ohne Behinderung gesucht.

Daneben bereiten die drei etablierten Ensembles schon neue Produktionen für 2015 und 2016 vor. Am 2. März gestaltet Theartic das Rahmenprogramm zum Jubiläumsfestakt der Lebenshilfe. Am 16. und 18. Oktober gibt es Wiederaufführungen des Stücks „zehn.und jetzt”.

Gern würde Theartic häufiger spielen. „Aber das Neue Theater kriegt man eben nicht alle vier Wochen”, bedauerte Ulrike Heymann. Damit eröffnet sich ein Thema, mit dem sich der Verein in diesem Jahr besonders intensiv befassen will: das Raumproblem.

„Wir brauchen dringend einen festen Probenraum für alle Ensembles”, bekräftigte Heymann. „Im Moment sind wir mal hier, mal dort zu Gast und können weder Material noch Bühnenbild stehenlassen.” Manche Räume seien für bewegungsintensive Aktionen auch zu klein. Definitiv zu eng geworden sei der Kulturbunker als Spielort für die „junior”-Gruppe.

Und auch für die erste eigene Geschäftsstelle (nach Jahren der Wohnzimmer-Lösungen) wird weiter nach einem festen Standort gesucht. Das ehemalige Schwesternheim der katholischen Kirche (Hof van Holland) steht nämlich nur übergangsweise dafür zur Verfügung. Zur weiteren Überbrückung könnten sich Beate Kegler und ihr Team vorstellen, mit der Geschäftsstelle nach und nach durch die Ladenleerstände der Einkaufsstraßen zu „touren”. Gespräche mit der Wirtschaftsförderung laufen.

Hoffen aufs Apollo

„Am besten wäre natürlich ein fester Ort für alles: Geschäftsführung, Proben, Aufführungen”, fasste Beate Kegler zusammen. Deshalb werde der Verein weiter daran mitwirken, ein tragfähiges Konzept für ein Kulturzentrum im früheren Apollo-Kino zu finden. Doch auch Alternativlösungen würden gesucht. Kegler: „Wir fahren da zweigleisig.”

Immerhin hat der Verein noch ein zweites dickes Brett zu bohren, denn mit dem Jahr 2014 endet die als Anschubhilfe gedachte Strukturförderung durch das Land Niedersachsen. Der Plan für eine langfristige finanzielle Absicherung von Theartic sieht laut Kegler nun so aus: verstärkte Mitgliedergewinnung, Einführen eines Spenden-Abos für alle, die fördern, aber nicht Mitglied werden wollen, und Überzeugungsarbeit bei Stadt und Politik, dass die jährliche Fördersumme von 24 000 Euro auf Dauer nicht ausreicht. Ulrike Heymann ergänzte die Liste: „Wenn wir mehr Vorstellungen geben könnten, könnten wir ebenfalls mehr Einnahmen erzielen.”

► Die offene Theaterwerkstatt probt montags von 17.30 bis 18.30 Uhr in der Alten Post, monatliche Teilnahmegebühr: 15 Euro.
► EZ-Artikel vom 17.01.2014 zum Download (PDF): Hier klicken!

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